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Behauptungen und Tatsachen: Die Zeit des britischen Mandats

Behauptung

"Die Briten halfen den Juden, die einheimische arabische Bevölkerung Palästinas an den Rand zu drängen."
"Die Briten gestatteten den Juden, Palästina förmlich zu überschwemmen, während die Einwanderung von Arabern streng kontrolliert wurde."

"Die Briten änderten nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Politik und gestatteten den Überlebenden des Holocaust, sich in Palästina niederzulassen."

"Mit der Zunahme der jüdischen Bevölkerung Palästinas verschlimmerte sich die Misere der palästinensischen Araber."

"Die Juden haben arabisches Land gestohlen."
"Die Briten ermutigten die Palästinenser zu einem friedlichen Zusammenleben mit den Juden."

"Der Mufti war nicht antisemitisch gesonnen."

"Der Angriff der Irgun auf das King-David-Hotel war ein Terroranschlag gegen Zivilisten."

Behauptungen
"Die Briten halfen den Juden, die einheimische Bevölkerung Palästinas an den Rand zu drängen."

Tatsache
Herbert Samuel, ein britischer Jude und erster Hochkommissar in Palästina, begrenzte die Zahl jüdischer Einwanderer "im ›Interesse der gegenwärtigen Bevölkerung‹ und der ›Aufnahmekapazität‹ des Landes".1 Es hieß, dass der Zustrom jüdischer Siedler die arabischen Fellachen (einheimische Bauern) von ihrem Land vertreibe. Damals lebten weniger als eine Million Menschen in einem Gebiet, das heute mehr als neun Millionen ein Auskommen bietet.
In Wirklichkeit begrenzten die Briten die Aufnahmekapazität Palästinas, indem sie das Land teilten.
1921 teilte der Kolonialminister Winston Churchill nahezu vier Fünftel Palästinas - ca. 35000 Quadratmeilen - ab, um ein brandneues arabisches Emirat zu schaffen: Transjordanien. Als Trostpflaster dafür, dass der Hedschas und Arabien an die Saudis fielen, belohnte Churchill Scherif Husseins Sohn Abdullah für seine Leistungen im Krieg gegen die Türkei, indem er ihn zum Emir von Transjordanien ernannte.

Die Briten gingen jedoch noch weiter und schränkten im restlichen Palästina den Erwerb von Land durch Juden ein. Das stand in offenem Widerspruch zu den Mandatsbestimmungen (Artikel 6), in denen es hieß, dass "die Administration Palästinas ... in Zusammenarbeit mit der jüdischen Körperschaft ... eine dichte Ansiedlung von Juden auf dem Land fördern soll, was auch staatseigene Gebiete und ungenutzes Land einschließen soll, das nicht für öffentliche Zwecke gebraucht wird". 1949 hatten die Briten 87500 der 187500 Acre kultivierbaren Landes den Arabern und nur 4250 Acre den Juden zugeschlagen.2
Am Ende mussten die Briten einräumen, dass das Argument der Aufnahmekapazität des Landes nur ein Scheinargument war. Die Peel-Kommission erklärte: "Die starke Einwanderungsbewegung der Jahre 1933-1936 sollte zeigen, dass die Juden sehr wohl in der Lage waren, die Aufnahmekapazität des Landes für Juden zu erweitern."3

Behauptung

"Die Briten gestatteten den Juden, Palästina förmlich zu überschwemmen, während die Einwanderung von Arabern streng kontrolliert wurde."

Tatsache
Die britische Reaktion auf die jüdische Einwanderung bestand in einer beispiellosen Politik der Zugeständnisse an die arabische Seite, die während der gesamten Mandatszeit weiterverfolgt wurde. Die Einwanderung von Juden wurde eingeschränkt, Araber dagegen durften ungehindert ins Land kommen. Offensichtlich war man in London nicht der Ansicht, dass eine Flut arabischer Immigranten die Aufnahmekapazität des Landes übersteigen könnte.

Während des Ersten Weltkriegs war die Zahl der jüdischen Bevölkerung Palästinas durch den Krieg selbst, aber auch auf Grund von Hungersnöten, Epidemien und Vertreibung eher rückläufig. 1915 lebten etwa 83000 Juden und 590000 Araber muslimischen und christlichen Glaubens in Palästina. Eine Volkszählung im Jahr 1922 ergab ein Verhältnis von 84000 jüdischen und 643000 arabischen Einwohnern.4 Das heißt, der Anteil der arabischen Bevölkerung wuchs exponenziell, während der der Juden stagnierte.
Mitte der Zwanzigerjahre stiegen die jüdischen Einwanderungszahlen nach Palästina wieder. Auslöser waren die antijüdische Wirtschaftsgesetzgebung in Polen sowie die Auferlegung einer Einwanderungsbeschränkung durch Washington. 5

Die Rekordzahl von Einwanderern im Jahr 1935 (s. Tabelle) war eine Reaktion auf die zunehmende Judenverfolgung im nationalsozialistischen Deutschland. In den Augen der britischen Verwaltung war diese Zahl jedoch zu hoch, und die Jewish Agency wurde informiert, dass 1936 weniger als ein Drittel des von der Jewish Agency beantragten Einwanderungskontingents bewilligt würde.6


Jüdische Einwanderer nach Palästina 7

1919

1806

1920

8 223

1921

8 294

1922

8 685

1923

8 175

1924

13 892

1925

34 386

1926

13 855

1927

3 034

1928

2 178

1929

5 249

1930

4 944

1931

4 075

1932

12 533

1933

37 337

1934

45 267

1935

66 472

1936

29 595

1937

10 629

1938

14 675

1939

31 195

1940

10 643

1941

4 592

Im so genannten "White Paper" von 1939 kamen die Briten den arabischen Forderungen noch weiter entgegen und erklärten, dass innerhalb von zehn Jahren ein unabhängiger arabischer Staat geschaffen werden sollte. Die jüdische Einwanderung sollte für den Zeitraum der nächsten fünf Jahre auf 75000 Personen beschränkt werden und danach ganz aufhören. Darüber hinaus wurde den Juden in fünfundneunzig Prozent des palästinensischen Territoriums jeder Landerwerb untersagt. Die Araber schlugen das Angebot jedoch aus.

Im Gegensatz dazu wurde die arabische Einwanderung während der gesamten Mandatszeit nicht eingeschränkt. 1930 erklärte die Hope-Simpson-Kommission, die die Ursachen der arabischen Aufstände von 1939 untersuchen sollte, dass die britische Praxis, die unkontrollierte illegale arabische Einwanderung aus Ägypten, Transjordanien und Syrien einfach zu ignorieren, zur Folge habe, dass für künftige jüdische Immigranten kein Platz mehr sei.8
Der britische Gouverneur der Sinai-Halbinsel von 1922-1936 konstatierte: "Die illegalen Einwanderer kamen nicht nur von der Sinai-Halbinsel, sondern auch aus Transjordanien und Syrien, und es ist doch recht schwer, das Elend der Araber glaubhaft zu machen, wenn ihre Landsleute aus den angrenzenden Staaten gleichzeitig durch nichts davon abzuhalten sind, ins Land zu strömen und dieses Elend mit ihnen zu teilen."9
Die Peel-Kommission berichtete im Jahr 1937, dass "die Landknappheit ... weniger darauf zurückzuführen ist, dass die Juden so viel Land erworben haben, als vielmehr auf den Anstieg der arabischen Bevölkerung".10

Behauptung
"Die Briten änderten nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Politik und gestatteten den Überlebenden des Holocaust, sich in Palästina niederzulassen."

Tatsache
Die Tore Palästinas blieben die gesamte Kriegszeit über geschlossen, sodass Hunderttausende von Juden in Europa festsaßen, wo viele von ihnen doch noch Hitlers Endlösung zum Opfer fielen. Auch nach dem Krieg verweigerten die Briten den Überlebenden des Nazi-Albtraums, Zuflucht in Palästina zu finden. Am 6. Juni 1946 forderte Präsident Truman die britische Regierung nachdrücklich auf, das Leiden der Juden, die ihr Dasein in Vertriebenenlagern in ganz Europa fristeten, endlich zu lindern und unverzüglich hunderttausend jüdische Immigranten ins Land zu lassen. Der britische Außenminister Ernest Bevin konterte mit der sarkastischen Antwort, die Vereinigten Staaten träten wohl vor allem deshalb für die Immigration der Vertriebenen ein, "weil sie lieber nicht so viele von ihnen in New York haben wollen".11

Manchen Juden gelang es dennoch, Palästina zu erreichen, meist auf maroden Schiffen, mit denen die Mitglieder der jüdischen Widerstandsbewegungen die Menschen ins Land schmuggelten. Von August 1945 bis zur Gründung des Staates Israel im Mai 1948 trafen 65 solcher "illegaler" Einwandererschiffe mit insgesamt 69878 Personen aus Europa an Bord ein. Von August 1946 an nahmen die Briten jedoch sämtliche illegalen Einwanderer fest, derer sie habhaft werden konnten, und internierten sie in Lagern auf Zypern. Etwa 50000 Menschen wurden in diesen Lagern gefangen gehalten; 28000 davon noch zu dem Zeitpunkt, als der Staat Israel seine Unabhängigkeit erklärte.12

Behauptung
"Mit der Zunahme der jüdischen Bevölkerung Palästinas verschlimmerte sich die Misere der palästinensischen Araber."

Tatsache
Die jüdische Bevölkerung Palästinas stieg zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg um 470000, die nicht jüdische um 588000.13 Faktisch nahm die Zahl der arabischen Einwohner zwischen 1922 und 1947 um 120 Prozent zu.14

Dieses schnelle Bevölkerungswachstum hatte mehrere Ursachen. Da war zum einen der Zustrom von Arabern aus den Nachbarstaaten, die von dem höheren Lebensstandard angelockt wurden, den die Juden erreicht hatten - er machte 37 Prozent der gesamten Einwandererzahl vor der Staatsgründung aus.15 Eine weitere Ursache für die Zunahme der arabischen Bevölkerung waren die verbesserten Lebensbedingungen, die ebenfalls die Juden schufen, indem sie malariaverseuchtes Sumpfland trocken legten und die Hygieneverhältnisse und die medizinische Versorgung in der Region verbesserten. So sank zum Beispiel die Säuglingssterblichkeit der muslimischen Kinder von 201 pro Tausend im Jahr 1925 auf 94 pro Tausend im Jahr 1945. Umgekehrt stieg die Lebenserwartung der Menschen von 37 Jahren im Jahr 1926 auf 49 Jahre im Jahr 1943.16
Die arabische Bevölkerungszahl wuchs bezeichnenderweise vor allem in den Städten mit hohem jüdischem Bevölkerungsanteil an, weil es hier neue wirtschaftliche Möglichkeiten gab. So nahm von 1922 bis 1947 die nicht jüdische Bevölkerung Haifas um 290 Prozent, in Jerusalem um 131 Prozent und in Jaffa um 158 Prozent zu. Das Bevölkerungswachstum in den arabischen Städten war im Vergleich dazu sehr viel bescheidener: 42 Prozent in Nablus, 78 Prozent in Jenin und 37 Prozent in Bethlehem.17

Behauptung
"Die Juden haben arabisches Land gestohlen."

Tatsache
Trotz des Anstiegs des arabischen Bevölkerungsanteils behaupteten die Araber weiterhin, dass sie vertrieben würden. In Wirklichkeit waren Teile Palästinas seit dem Ersten Weltkrieg in den Händen von Großgrundbesitzern, die in Kairo, Damaskus und Beirut lebten. Etwa 80 Prozent der palästinensischen Araber waren überschuldete Bauern, Halbnomaden und Beduinen.18

Die Juden vermieden es bewusst, Land in Gebieten zu erwerben, aus denen sie Araber verdrängt hätten. Sie suchten Land, das landwirtschaftlich ungenutzt, versumpft und billig war und auf dem vor allem keine Pächter lebten. 1920 gab der Führer der zionistischen Arbeitspartei David Ben-Gurion seiner Anteilnahme am Schicksal der arabischen Fellachen Ausdruck, in denen er "den wichtigsten Aktivposten der einheimischen Bevölkerung" sah. Ben-Gurion erklärte: "Unter keinen Umständen dürfen wir Land anrühren, das Fellachen gehört oder von ihnen bestellt wird." Er setzte sich im Gegenteil für die Befreiung dieser Menschen von ihren Unterdrückern ein. "Allenfalls wenn ein Fellache fortziehen möchte, dürfen wir ihm anbieten, sein Land zu kaufen", fügte Ben-Gurion hinzu, "und zwar zu einem angemessenen Preis."19
Erst nachdem sie alles verfügbare ungenutzte Land gekauft hatten, begannen die Juden, bereits kultiviertes Land zu erwerben. Wegen der Migration in die Küstenstädte und weil sie Geld für Investitionen in den Zitrusfrüchteanbau benötigten, waren viele Araber bereit zu verkaufen.20
Als John Hope Simpson im Mai 1940 in Palästina eintraf, stellte er fest: "Sie [die Juden] zahlten hohe Preise für das Land. Darüber hinaus entrichteten sie beträchtliche Summen, zu deren Zahlung sie gesetzlich nicht verpflichtet waren, an bestimmte Bewohner dieses Landes."21
1931 führte Lewis French eine Erhebung zum Thema Landlosigkeit durch und bot danach allen Arabern, die "enteignet" worden waren, neue Landparzellen an. Die britischen Beamten registrierten über 3000 Gesuche, von denen jedoch 80 Prozent von juristischer Seite für ungültig erklärt wurden, weil die Antragsteller gar keine landlosen Araber waren. Damit blieben nur etwa 600 rechtmäßige Antragsteller, von denen insgesamt 100 das Landangebot der Regierung annahmen.22
Im April 1936 kam es auf Betreiben eines syrischen Guerillakämpfers namens Fawzi al-Qawukji, des Oberbefehlshabers der arabischen Befreiungsarmee, zu einer neuen Welle arabischer Übergriffe gegen Juden. Als die Briten im November schließlich eine Kommission unter der Leitung von Lord Peel zur Klärung der Lage nach Palästina schickten, waren 89 Juden getötet und über 300 verletzt worden.23

Nach dem Bericht der Peel-Kommission entbehrten die arabischen Klagen über den Landerwerb durch Juden jeglicher Grundlage. In dem Bericht wurde darauf hingewiesen, dass "ein Großteil des Landes, auf dem heute Orangenhaine stehen, zum Zeitpunkt des Kaufs aus Sanddünen, Sumpfland oder unkultiviertem Boden bestand ... bei früheren Verkäufen gab es wenig Belege dafür, dass die Eigentümer die Mittel oder die Kenntnisse besaßen, die für eine fortschrittliche Bewirtschaftung des Landes nötig waren."24 Außerdem stellte die Kommission fest, dass der Landmangel "nicht so sehr darauf zurückzuführen ist, dass die Juden so viel Land erworben hätten, als vielmehr auf den Zuwachs der arabischen Bevölkerung". Die Kommission kam daher zu dem Schluss, dass die Anwesenheit der Juden in Palästina im Verein mit den Bemühungen der britischen Verwaltung zu höheren Löhnen, einem höheren Lebensstandard und zu einem größeren Arbeitsmarktangebot geführt hatte.25
König Abdullah von Transjordanien schrieb in seinen Memoiren:

"Das Bild, das die Simpson-Kommission entwarf, und das von der Peel-Kommission zusammengetragene Material lassen keinen Zweifel daran, dass die Araber genauso schnell bereit sind, ihr Land zu verkaufen, wie sie gleich damit bei der Hand sind, zu jammern und zu klagen." 26
(Die Hervorhebung stammt vom Autor.)

Noch auf dem Höhepunkt des arabischen Aufstands im Jahr 1938 war der britische Hochkommissar in Palästina der Ansicht, die arabischen Grundbesitzer beklagten sich über die Landverkäufe an die Juden, um den Preis für das Land, das sie verkaufen wollten, in die Höhe zu treiben. Viele arabische Grundbesitzer waren von den arabischen Rebellen so massiv unter Druck gesetzt worden, dass sie beschlossen, Palästina zu verlassen und ihren Besitz an Juden zu verkaufen.27
Die Juden bezahlten den reichen Grundbesitzern Schwindel erregende Preise für kleine Parzellen unfruchtbaren Landes. "1944 zahlten Juden zwischen 1000 und 1100 Dollar für einen Acre in Palästina, meist für unfruchtbares oder so gut wie unfruchtbares Land; im gleichen Jahr wurde fruchtbares Ackerland in Iowa für etwa 110 Dollar pro Acre verkauft."28

1947 belief sich der Landbesitz in jüdischer Hand in Palästina auf 463000 Acres. Etwa 45000 Acres davon waren der Mandatsregierung, 30000 verschiedenen Kirchen und 387500 Arabern abgekauft worden. Analysen der Landkäufe von 1880 bis 1948 zeigen, dass 73 Prozent der jüdischen Parzellen Großgrundbesitzern und nicht etwa armen Fellachen gehört hatten.29 Zu dem Personenkreis, der Land verkaufte, gehörten unter anderem die Bürgermeister von Gaza, Jerusalem und Jaffa. Der führende muslimische Theologe As'ad el Shuqeiri, der Vater des PLO-Präsidenten Ahmed Shuqeiri, nahm jüdisches Geld für sein Land. Sogar König Abdullah verpachtete Land an Juden, und auch viele führende Vertreter der arabischen nationalistischen Bewegung, darunter Mitglieder des Obersten Muslimischen Rates, verkauften Land an Juden.30

Behauptung
"Die Briten ermutigten die Palästinenser zu einem friedlichen Zusammenleben mit den Juden."

Tatsache
1921 begann Haj Amin el-Husseini mit der Organisation kleiner Gruppen von Selbstmordkommandos - Fedajn -, die Terroranschläge gegen Juden ausführen sollten. Er hoffte, damit an das Beispiel Kemal Atatürks anknüpfen und die Juden aus Palästina vertreiben zu können, so wie Kemal die Griechen aus seinem Land getrieben hatte.31 Die arabischen Radikalen gewannen rasch an Einfluss, denn die britische Verwaltung fand sich erst dann zu wirksamen Gegenmaßnahmen bereit, als sie schließlich selbst bedroht wurde.
Colonel Richard Meinertzhagen, der ehemalige Leiter des britischen militärischen Geheimdienstes in Kairo und spätere Chief Political Officer in Palästina und Syrien, notierte in seinem Tagebuch, dass die britischen Beamten "dafür wären, den Zionismus aus Palästina zu entfernen".

Die Briten ermutigten die Palästinenser sogar zu Anschlägen gegen die Juden. Laut Meinertzhagen traf sich Colonel Waters-Taylor (von 1919 bis 1923 Finanzberater der Militärverwaltung in Palästina) wenige Tage vor dem Osterfest des Jahres 1920 mit Haj Amin und erklärte ihm, "dass er an Ostern die einmalige Gelegenheit hätte, der Welt zu zeigen ... dass der Zionismus nicht nur von der Verwaltung Palästinas, sondern auch von Whitehall abgelehnt würde und dass, falls es an Ostern in Jerusalem zu Unruhen und gewalttätigen Ausschreitungen kommen sollte, sowohl General Bols (von 1919 bis 1920 Chief Administrator in Palästina) als auch General Allenby (von 1917 bis 1919 Oberbefehlshaber der ägyptischen Streitkräfte und danach Hochkommissar in Ägypten) die Preisgabe der jüdischen Heimstätte unterstützen würden. Waters-Taylor war der Überzeugung, dass Freiheit nur durch Gewalt zu erlangen sei."32

Haj Amin nahm den Rat des Colonels an und organisierte einen Aufstand. Die Briten zogen ihre Truppen und die jüdische Polizei aus Jerusalem zurück und sahen tatenlos zu, wie der arabische Mob jüdische Läden plünderte. Da jedoch allgemein bekannt war, dass Haj Amin eine entscheidende Rolle bei der Anstiftung zu diesem Pogrom gespielt hatte, entschlossen sich die Briten, ihn zu verhaften. Haj Amin konnte jedoch fliehen und wurde in Abwesenheit zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt.
Ein Jahr später überredeten einige araberfreundliche Landsleute den britischen Hochkommissar Herbert Samuel, Haj Amin zu begnadigen und ihn zum Mufti zu ernennen. Vladimir Jabotinsky und einige seiner Anhänger, die während der Unruhen eine jüdische Verteidigungsorganisation gebildet hatten, wurden dagegen zu fünfzehn Jahren Gefängnis verurteilt.33

Samuel traf sich am 11. April 1921 mit Haj und erhielt von ihm die Zusicherung, "dass er allen Einfluss, den er selbst und seine Familie habe, für die Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung verwenden wolle". Drei Wochen später starben bei Unruhen in Jaffa und an anderen Orten 43 Juden.34
Haj Amin festigte seine Macht und erlangte die Kontrolle über alle muslimischen Gelder in Palästina. Mit Hilfe der ihm verliehenen Vollmachten verschaffte er sich außerdem die Oberaufsicht über Moscheen, Schulen und Gerichte. Kein Araber, der dem Mufti nicht treu ergeben war, konnte in eine einflussreiche Stellung gelangen. Die Macht des Muftis war so absolut, dass "in Palästina kein Muslim geboren werden oder sterben konnte, ohne Haj Amin zu Dank verpflichtet zu sein".35 Die Gefolgsleute des Mufti sorgten zudem dafür, dass jeder Widerstand gegen ihn im Keim erstickt wurde, indem sie systematisch alle Palästinenser aus rivalisierenden Clans ermordeten, die einer Zusammenarbeit mit den Juden nicht völlig abgeneigt waren.

Als Wortführer der palästinensischen Araber bat Haj Amin die Briten nicht etwa um die Unabhängigkeit, sondern forderte im Gegenteil in einem Brief an Winston Churchill aus dem Jahr 1921, dass Palästina wieder mit Syrien und Transjordanien vereinigt würde.36
Die Araber fanden rasch heraus, dass ihre Aufstände eine höchst wirksame politische Waffe waren, da die Briten eine äußert laxe Haltung bei den gewalttätigen Ausschreitungen gegen Juden an den Tag legten. Im Rahmen der Beilegung der Unruhen pflegten sie stets alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um eigenständige Schutz- und Verteidigungsmaßnahmen auf jüdischer Seite zu unterbinden; andererseits rührten sie jedoch keinen Finger, um die arabischen Übergriffe zu verhindern. Nach jedem dieser Aufstände sollte eine eigens ernannte britische Untersuchungskommission die Ursache für die Ausschreitungen herausfinden. Ihre stereotype Schlussfolgerung lautete: Die Araber fürchten, von den Juden verdrängt zu werden. Als Mittel zur Eindämmung der Gewalt empfahlen die Kommissionen daher jeweils die Beschränkung der jüdischen Einwandererzahlen. Auf diese Weise lernten die Araber, dass sie den Zustrom von Juden jederzeit stoppen konnten, indem sie einen Aufruhr anzettelten.
Dieser Kreislauf nahm seinen Anfang nach einer Reihe von Krawallen im Mai 1921. Die Briten, denen es nicht gelungen war, die jüdische Bevölkerung vor dem arabischen Mob zu schützen, ernannten die Haycraft-Kommission, die die Gründe für diesen Ausbruch von Gewalt feststellen sollte. Der Ausschuss kam zwar zu dem Urteil, dass die Araber die Aggressoren gewesen waren, versuchte jedoch, die Ursache für die Eskalation als rational verständlich hinzustellen: "Die eigentliche Ursache der Aufstände war ein tief gehendes Gefühl der Unzufriedenheit und Feindseligkeit der Araber gegenüber den Juden, das politische und wirtschaftliche Gründe hat und mit der jüdischen Einwanderung und dem arabischen Verständnis der zionistischen Politik in Zusammenhang steht ..."37 Eine Folge der Ausschreitungen war abermals die Einschränkung der jüdischen Einwanderung.
Die Furcht der Araber, die Juden könnten sie "vertreiben" oder "beherrschen", sollte als Entschuldigung für brutale Angriffe auf friedliche jüdische Siedler herhalten. Dabei wurden die Übergriffe nicht etwa von einem fanatischen Nationalgefühl getragen - Nationalisten hätten sich gegen die britische Oberherrschaft aufgelehnt -, sondern von Rassenhass und irrigen Vorstellungen.

1929 gelang es arabischen Provokateuren, die Massen zu überzeugen, dass die Juden einen Anschlag auf den Tempelberg planten (eine Taktik, die bei vielen Gelegenheiten wieder angewendet wurde, so unlängst im Jahr 2000 nach dem Besuch von Ariel Sharon). Eine religiöse Zeremonie der Juden an der Westmauer, die einen Teil des Tempelbergs bildet, diente als Auslöser für arabische Ausschreitungen gegen Juden, die über Jerusalem hinaus in andere Dörfer und Städte, darunter Safed und Hebron, übergriffen.
Auch diesmal unternahm die britische Verwaltung nichts, um die Ausschreitungen zu verhindern oder die jüdische Bevölkerung zu schützen. Erst nach sechs Tagen des Chaos boten die Briten endlich Truppen auf, die den Aufstand unterdrücken sollten. Inzwischen war praktisch die gesamte jüdische Bevölkerung von Hebron geflohen oder getötet worden. Insgesamt kamen bei den Pogromen 131 Juden um, und 399 wurden verletzt.38
Nach Beendigung der Unruhen ordneten die Briten wieder eine Untersuchung an, die zum Passfield Weißbuch führte. Darin hieß es: "Die Einwanderung, der Landerwerb und die Siedlungspolitik der zionistischen Bewegung sind den arabischen Interessen bereits jetzt abträglich bzw. werden ihnen gefährlich werden. Die Verpflichtung der Mandatsregierung gegenüber der nicht jüdischen Bevölkerung verlangt jedoch, dass die Ressourcen Palästinas in erster Linie der wachsenden arabischen Wirtschaft zur Verfügung stehen müssen ..."39 Das wiederum bedeutete natürlich, dass es notwendig wurde, nicht nur die jüdische Einwanderung, sondern auch die Möglichkeit des Landerwerbs für Juden einzuschränken.

Behauptung
"Der Mufti war nicht antisemitisch gesonnen."

Tatsache
1941 floh Haj Amin al-Husseini nach Deutschland und kam dort mit Adolf Hitler, Heinrich Himmler, Joachim von Ribbentrop und anderen führenden Nationalsozialisten zusammen. Er wollte sie dazu bewegen, ihr antijüdisches Programm auch auf die arabische Welt auszudehnen.
Der Mufti legte Hitler fünfzehn Entwürfe einer Erklärung zum Nahen Osten vor, die Deutschland und Italien in ihrem eigenen Namen bekannt geben sollten. In einem dieser Entwürfe forderte er die beiden Länder auf, die jüdische Heimstätte in Palästina für illegal zu erklären. Darüber hinaus "gestehen sie Palästina und anderen arabischen Ländern das Recht zu, das Problem der jüdischen Elemente in Palästina und anderen arabischen Ländern im Sinne der arabischen Interessen zu lösen, und zwar auf die gleiche Weise, wie diese Frage zurzeit von den Achsenmächten gelöst wird."40

Im November 1941 traf sich der Mufti mit Hitler, der ihm gegenüber erklärte, die Juden seien seine schlimmsten Feinde. Der Diktator schlug die Bitte des Mufti um eine Erklärung zu Gunsten der Araber jedoch ab und meinte, es sei nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Der Mufti dankte Hitler für die "Sympathie, die er den Arabern und besonders der palästinensischen Sache immer entgegengebracht und aus der er in seinen Reden keinen Hehl gemacht hat ... die Araber sind Deutschlands natürliche Freunde, weil sie dieselben Feinde wie Deutschland haben, nämlich ... die Juden ..." Hitler antwortete, Deutschland stehe für einen unnachgiebigen Krieg gegen die Juden. Das beinhalte selbstverständlich den aktiven Widerstand gegen die nationale jüdische Heimstätte in Palästina ... Deutschland werde den Arabern, die in demselben Kampf stünden, praktische Hilfe leisten ... Deutschlands Ziel sei die Zerstörung des jüdischen Elements, das sich in der arabischen Sphäre einquartiert habe ... In dieser Stunde könne der Großmufti als höchste Autorität für die Arabische Welt sprechen. Der Mufti gab Hitler gegenüber seiner tief empfundenen Dankbarkeit Ausdruck.41
1945 versuchte Jugoslawien den Mufti als Kriegsverbrecher zu ächten, weil er 20000 muslimische Freiwillige für die SS rekrutiert hatte, die sich an der Ermordung von Juden in Kroatien und Ungarn beteiligt hatten. Doch schon 1946 gelang ihm die Flucht aus der französischen Gefangenschaft. Danach setzte der Mufti seinen Kampf gegen die Juden von Kairo und später von Beirut aus fort. Er starb 1974.
Die Familie Husseini spielte weiterhin eine wichtige Rolle. Faisal Husseini, der Sohn des Neffen des Mufti, galt bis zu seinem Tod im Mai 2001 als einer der Wortführer in den besetzten Gebieten.

Behauptung
"Der Angriff der Irgun auf das King-David-Hotel war ein Terroranschlag gegen Zivilisten."

Tatsache
Das King-David-Hotel war das britische Militärhauptquartier. Die Irgun verübte einen Anschlag auf das Hotel, nachdem die Briten am 29. Juni 1946 in die Jewish Agency eingedrungen waren und große Mengen von Dokumenten beschlagnahmt hatten. Etwa zeitgleich wurden über 2500 Juden in ganz Palästina verhaftet. Informationen über die Operationen der Jewish Agency, darunter auch über jüdische Geheimdienstaktivitäten in arabischen Ländern, gelangten ins King-David-Hotel.
Eine Woche später erinnerte die Nachricht über ein Massaker an 40 Juden im Rahmen eines Pogroms in Polen die palästinensischen Juden daran, dass die Briten durch ihre Einwanderungsbeschränkungen Tausende von Juden zum Tod verurteilt hatten.

Der Chef der Irgun, Menachem Begin, betonte stets, dass er alles getan habe, um Opfer unter Zivilisten zu vermeiden. Nach seiner Aussage wurden vor dem Anschlag drei Telefonanrufe getätigt - einer im Hotel, einer beim französischen Konsulat und ein dritter bei der Palestine Post -, in denen vor einem unmittelbar bevorstehenden Sprengstoffanschlag im King-David-Hotel gewarnt wurde.

Die Anrufe erfolgten am 22. Juli 1946. Der Anruf im Hotel wurde offenbar zwar entgegengenommen, aber nicht weiter beachtet. Begin zitiert einen britischen Beamten, der sich angeblich weigerte, das Hotel zu evakuieren und sagte: "Wir nehmen keine Befehle von den Juden entgegen."42 So kam es, dass dem Sprengstoffattentat viele Zivilisten zum Opfer fielen. Es gab insgesamt 91 Tote und 45 Verletzte, darunter 15 Juden. Im Hotel selbst gab es nur wenige Verletzte durch die Detonation.43
Im Gegensatz zu den arabischen Angriffen gegen Juden, die meist als Heldentaten verherrlicht wurden, verurteilte der Jüdische Nationalrat das Attentat auf das King-David-Hotel ausdrücklich.44

Die Briten bestritten jahrzehntelang, eine Warnung erhalten zu haben. Erst 1979 legte ein britisches Parlamentsmitglied Beweise dafür vor, dass die Irgun die Bevölkerung tatsächlich vor dem Anschlag gewarnt hatte. Der Mann führte die Aussage eines britischen Offiziers an, der Zeuge geworden war, wie sich andere Offiziere an der Bar des King-David-Hotels über die Androhung eines zionistischen Anschlags auf das Hauptquartier lustig machten. Der Offizier, der das Gespräch mitangehört hatte, verließ unverzüglich das Hotel und überlebte.45


1 Aharon Cohen: Israel and the Arab World; NY: Funk und Wagnalls 1970, S. 172; Howard Sachar: A History of Israel: From the Rise of Zionism to Our Time; NY: Alfred A. Knopf 1979, S. 146.
2 Moshe Aumann: "Land Ownership in Palestine 1880-1948", in Michael Curtis et al.: The Palestinians; NJ: Transaction Books 1975, S. 25.
3 Bericht der Könglichen Palästina-Kommission (der Peel-Bericht), London 1937, S. 300. (Von nun an Bericht der Königlichen Palästina-Kommission).
4 Arieh Avneri: The Claim of Dispossession; Tel Aviv: Hidekel Press 1984, S. 28; und Yehoshua Porath: The Emergence of the Palestinian-Arab Movement, 1918-1929; London: Frank Cass 1974, S. 17-18.
5 Porath 1974, S. 18.
6 Cohen, S. 53.
7 Yehoshua Porath: Palestinian-Arab National Movement: From Riots of Rebellion: 1929-1939, Bd. 2; London: Frank Cass and Co., Ltd. 1977, S. 17-18.39.
8 John Hope Simpsom: Palestine: Report on Immigration, Land Settlement and Development; London 1930, S. 126.
9 Bericht der Königlichen Palästina-Kommission, S. 291.
10 Bericht der Königlichen Palästina-Kommission, S. 242.
11 George Lenczowski: American Presidents and the Middle East; NC: Duke University Press 1990, S. 23.
12 Cohen, S. 174.
13 Dov Friedlander und Calvin Goldscheider: The Population of Israel; NY: Columbia Press 1979, S. 30.
14 Avneri, S. 254.
15 Curtis, S. 38.
16 Avneri, S. 264; Cohen, S. 60.
17 Avneri, S. 254-55.
18 Moshe Aumann, Land Ownership in Palestine 1880-1948; Jerusalem: Academic Committee on the Middle East 1976, S. 5.
19 Shabtai Teveth: Ben-Gurion and the Palestinian Arabs: From Peace to War; London: Oxford University Press 1985, S. 32.
20 Porath, S. 80; 84.
21 Hope-Simpson-Report, S. 51.
22 Avneri, S. 149-158; Cohen, S. 37; basierend auf dem Bericht über die landwirtschaftliche Entwicklung und Besiedelung in Palästina von Lewis French (Dezember 1931, Nachtrag; Bericht April 1932) und Material, das der Königlichen Palästina-Kommission zur Verfügung gestellt wurde.
23 Netanel Lorch: One Long War; Jerusalem: Keter 1976, S. 27; Sachar, S. 201.
24 Bericht der Königlichen Palästina-Kommission 1937, S. 242.
25 Bericht der Königlichen Palästina-Kommission 1937, S. 241-242.
26 König Abdallah: My Memoires Completed; London: Longman Group, Ltd. 1978, S. 88-89.
27 Porath (77), S. 86-87.
28 Aumann, S. 13.
29 Abraham Granott: The Land System in Palestine; London: Eyre und Spottiswoode 1952, S. 278.
30 Avneri, S. 179-180; 224-225; 232-234; Porath (77), S. 72-73.
31 Jon Kimche: There Could Have Been Peace: The Untold Story of Why We Failed With Palestine and Again With Israel; England: Dial Press 1973, S. 189.
32 Richard Meinertzhagen: Middle East Diary 1917-1956; London: The Cresset Press 1959, S. 49; 82; 97.
33 Samuel Katz: Battleground-Fact and Fantasy in Palestine; NY: Bantam Books 1977, S. 63-65; Howard Sachar: A History of Israel: From the Rise of Zionism to Our Time; NY: Alfred A. Knopf 1979, S. 97.
34 Paul Johnson: Modern Times: The World from the Twenties to the Nineties; NY: Harper & Row 1983, S. 438.
35 Larry Collins und Dominique Lapierre: O Jerusalem!; NY: Simon und Schuster 1972, S. 52.
36 Kimche, S. 211.
37 Ben Halpern: The Idea of a Jewish State; MA: Harvard University Press 1969, S. 323.
38 Sachar, S. 174.
39 Halpern, S. 201.
40 "Grand Mufti Plotted To Do Away With All Jews In Mideast", Response, Herbst 1991, S. 2-3.
41 Bericht über das Gespräch zwischen dem Führer und dem Großmufti von Jerusalem am 28. November 1941 in Gegenwart des Reichsaußenministers und Ministers Grobba in Berlin; Documents on German Foreign Policy, 1918-1945; Reihe D, Bd. XIII, London 1964, S. 881ff in: Walter Lacquer und Barry Rubin: The Israel-Arab Reader; NY: Facts on File 1984, S. 79-84.
42 Menachem Begin: The Revolt; NY: Nash Publishing 1977, S. 224.
43 J. Bowyer Bell: Terror Out Of Zion; NY: St. Martin's Press, S. 172.
44 Anne Sinai und I. Robert Sinai: Israel and the Arabs: Prelude to the Jewish State; NY: Facts on File 1972, S. 83.
45 Benjamin Netanyahu (Hrsg.): "International Terrorism: Challenge And Response"; Berichte der Jerusalemer Konferenz über Internationalen Terrorismus, 25. Juli 1979; Jerusalem: The Jonathan Institute 1980, S. 45.


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