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Behauptungen und Tatsachen: Die Behandlung der Juden in arabischen und islamischen Ländern

Behauptungen

»Die Araber können überhaupt nicht antisemitisch sein, weil sie selbst semitischer Abstammung sind.«
»Die modernen arabischen Nationen lehnen lediglich den Staat Israel ab; gegen die Juden haben sie nichts.«
»Die Juden in den islamischen Ländern wurden von den Arabern immer gut behandelt.«
»Als ›Völker des Buches‹ stehen Juden und Christen unter dem Schutz des islamischen Gesetzes.«

Behauptung

»Die Araber können überhaupt nicht antisemitisch sein, weil sie selbst semitischer Abstammung sind.«

Tatsache

Der Begriff »antisemitisch« wurde im Jahr 1879 in Deutschland geprägt, als Wilhelm Marrih ihn für die anti-jüdischen Erscheinungen seiner Zeit verwendete und dem Judenhass damit einen wissenschaftlichen Namen gab.1 Unter »Antisemitismus« verstand man den Hass gegen das jüdische Volk. In englischen und amerikanischen Lexika und Wörterbüchern wird der Begriff als »Theorie oder Handlung, die sich gegen Juden richtet« bezeichnet bzw. als »Feindschaft gegen die Juden als religiöse oder rassische Minderheit, die häufig von gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Diskriminierung begleitet ist«.2

Die Behauptung, die Araber als »Semiten« könnten überhaupt nicht antisemitisch sein, ist also eine semantische Irreführung, die die Realität der arabischen Diskriminierung und Feindschaft gegenüber den Juden ignoriert. Wie alle Völker können auch die Araber antisemitisch sein.

Behauptung

»Die modernen arabischen Nationen lehnen lediglich den Staat Israel ab; gegen die Juden haben sie nichts.«

Tatsache

Die arabischen Staaten haben nie einen Zweifel an ihrer Feindschaft gegenüber den Juden und dem Judentum gelassen. So äußerte zum Beispiel der saudi-arabische König Ibn Saud am 23. November 1937 gegenüber dem britischen Colonel H. R. P. Dickson: »Unser Hass gegen die Juden hat seinen Ursprung in der göttlichen Verdammung der Juden, weil sie erst Isa (Jesus) und danach seinen auserwählten Propheten abgelehnt und verfolgt haben.« Und er fügte hinzu, dass »ein Muslim, wenn er einen Juden tötet oder von ihm getötet wird, nach seinem Tod unmittelbar in den Himmel und in die herrliche Gegenwart des allmächtigen Gottes eingeht«.3

Als Hitler 1935 die Nürnberger Gesetze verabschiedete, erhielt er aus allen Teilen der arabischen Welt Glückwunschtelegramme.4 Später, während des Krieges, war der Mufti von Jerusalem einer seiner leidenschaftlichsten Unterstützer.

In Jordanien durften niemals Juden leben. Im 6. Paragrafen der Verfassung, die auch für die jordanisch besetzte Westbank gilt, heißt es ausdrücklich: »Jede Person, sofern sie nicht jüdisch ist, ist jordanischer Staatsbürger.«5

Die arabischen Länder achten sorgfältig darauf, dass bereits den Schulkindern der Hass auf die Juden unverrückbar eingeimpft wird. Der syrische Erziehungsminister schrieb 1968: »Der Hass, den wir unseren Kindern von Geburt an einpflanzen, ist ein heiliger Hass.«6

Nach dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 fanden die Israelis in arabischen Schulen in der Westbank Schulbücher, die rassistische und hasserfüllte Darstellungen von Juden enthielten:

»Die Juden sind bis an die Enden der Erde zerstreut; sie leben verachtet und im Exil, weil sie von Grund auf lasterhaft, habgierig und Feinde der ganzen Menschheit sind und weil sie von ihrem verderbten Wesen dazu verführt wurden, ein Land zu rauben, in das sie sich und ihre Schande flüchten können.«7

»Analysiere die folgenden Sätze:

1.         Der Kaufmann reiste selbst auf den afrikanischen Kontinent.
2.         Wir werden alle Juden aus den arabischen Ländern vertreiben.«8

 

»Die heutigen Juden sind die Nachkommen der Juden, die dem Propheten Mohammed Leid zufügten. Sie haben ihn verraten, haben den Vertrag mit ihm gebrochen und sich mit seinen Feinden gegen ihn verbündet ...«9

»Die Juden in Europa wurden verfolgt und verachtet, weil sie korrupt, gemein und verräterisch waren.«10

In einem jordanischen Handbuch für Grundschullehrer von 1977 in der Westbank werden die Erzieher angewiesen, »in die Seele der Schüler die islamische Regel einzupflanzen, dass, wenn die Feinde auch nur einen Zoll islamischen Landes besetzen, der jihad (der heilige Krieg) zur unabwendbaren Pflicht für jeden Muslim wird«. Und es heißt weiter, dass die Juden ein Komplott zur Ermordung Mohammeds schmiedeten, als dieser noch ein Kind war. In einem anderen jordanischem Text, einem Gemeinschaftskundebuch von 1982, steht, dass Israel während des Libanonkriegs das Massaker der Palästinenser in Sabra und Shatila angeordnet habe; nicht erwähnt wird, dass die Vollstrecker dieser Anordnung Araber christlichen Glaubens waren.11

»Der syrische Präsident Bashar Assad lieferte am Samstag, dem 5. Mai, einen drastischen, ja abstoßenden Beweis für die Tatsache, dass er und seine Regierung weder des Respekts noch der Pflege guter Beziehungen zur den Vereinigten Staaten oder irgendeines anderen demokratischen Landes würdig sind. Bei der Begrüßung von Papst Johannes Paul II. in Damaskus griff Mr. Assad die Juden in einer Weise an, die an Ignoranz und Plumpheit wohl alles in den Schatten stellt, was der Papst in den 20 Jahren seiner Reisen in alle Teile der Welt zu hören bekam. Er verglich das Elend der Palästinenser mit dem Leiden Jesu Christi und führte aus, dass die Geisteshaltung, mit der die Juden ›versuchten, die Prinzipien aller Religionen zu töten, die gleiche sei wie die, in der sie Jesus Christus verrieten und den Propheten Mohammed zu verraten und zu töten versuchten‹. Mit dieser ungeheuerlichen Behauptung beschmutzte der syrische Präsident sowohl sein eigenes Land als auch den Papst ...«

Washington Post, 8. Mai 2001

Eine Überprüfung syrischer Lehrbücher ergab, dass »das syrische Bildungssystem den Hass auf Israel und den Zionismus zu einem sich gegen alle Juden richtenden Antisemitismus ausweitet. Dieser Antisemitismus bedient sich alter islamischer Motive, um den ewig gleich bleibenden schlechten Charakter der Juden zu beschreiben, dessen wichtigster Grundzug der Verrat ist. Die unausweichliche Schlussfolgerung daraus lautet, dass die Juden ausgerottet werden müssen.«12 Ein Beispiel: In einem Lehrbuch der 11. Klasse heißt es, dass die Juden die Muslime hassten und, von Neid getrieben, zur Feindschaft gegen sie aufriefen:

»Die Juden scheuen keine Mühe, uns zu betrügen, unseren Propheten zu verleumden, gegen uns zu intrigieren und den Sinn der heiligen Schriften zu entstellen. Die Juden arbeiten Hand in Hand mit den Polytheisten und Ungläubigen gegen die Muslime, weil sie wissen, dass der Islam ihre Verschlagenheit und Gemeinheit bloßlegt.«13

Eine arabische Übersetzung von Adolf Hitlers Mein Kampf, die in Ostjerusalem und in den Gebieten unter palästinensischer Selbstverwaltung verbreitet wurde, entwickelte sich rasch zum Bestseller.14

Hin und wieder zeigt sich der arabische Antisemitismus auch innerhalb der Vereinten Nationen. Im März 1991 zum Beispiel verlas ein syrischer Delegierter vor der UN-Menschenrechtskommission eine Erklärung, in der den Kommissionsmitgliedern empfohlen wurde, ein »wertvolles Buch« mit dem Titel The Matzoh of Zion zu lesen, das der syrische Verteidigungsminister Mustafa Tlas verfasst hatte. In diesem Buch werden Ritualmordanklagen gerechtfertigt, die in der Blutklage von 1840 in Damaskus gegen die Juden erhoben wurden.15 (Der Ausdruck »Blutklage« bezieht sich auf die Anschuldigung, die Juden würden christliche Kinder töten, weil sie ihr Blut für die Zubereitung der Passah-Matzen benötigen.)

König Faisal von Saudi-Arabien äußerte in einem Interview im Jahr 1972 eine ähnlich abenteuerliche Verleumdung:

»Israel hegt seit uralten Zeiten böse Absichten. Sein Ziel ist die Ausrottung aller anderen Religionen. ... Die Juden erachten die anderen Religionen als der ihrigen unterlegen und andere Menschen als minderwertig. Und was das Motiv der Rache angeht: Sie haben einen bestimmten Tag, an dem sie das Blut von Nicht-Juden in ihren Brotteig einkneten und dieses Brot dann essen. Vor zwei Jahren, ich hielt mich gerade zu einem Besuch in Paris auf, entdeckte die Polizei die Leichen von fünf Kindern. Sie hatten keinen Tropfen Blut mehr im Leib, und es stellte sich heraus, dass sie von Juden umgebracht worden waren, die ihr Blut nahmen und mit dem Brot mischten, das sie an diesem Tag aßen. Das zeigt Ihnen, wie weit sie in ihrem Hass und ihrer Bosheit gegen nicht-jüdische Völker gehen.«16

Am 11. November 1999 sagte Suha Arafat, die Frau des Palästinenserführers Jassir Arafat, bei einem gemeinsamen Auftritt mit der amerikanischen First Lady Hillary Rodham Clinton in Gaza: »Unser Volk war Tag für Tag dem intensiven Einsatz von Giftgas durch die israelischen Streitkräfte ausgesetzt, was zu einer Zunahme der Krebserkrankungen bei Frauen und Kindern geführt hat.« Ähnliche Aussagen kamen mehrfach von offizieller Seite aus dem palästinensischen Lager.17

Die arabisch/muslimische Presse, die in fast allen Ländern des Nahen Ostens staatlich kontrolliert wird, veröffentlicht regelmäßig antisemitische Artikel und Cartoons. In Ägypten gehören antisemitische Publikationen zum Pressealltag. So veröffentlichte zum Beispiel die wichtigste ägyptische Tageszeitung Al-Ahram einen Artikel zum »historischen« Hintergrund der Tradition der Blutklage und beschuldigte Israel gleichzeitig, heute noch aus dem Blut palästinensischer Kinder Matzen zu backen.18 Auch in der jordanischen und syrischen Presse erscheinen regelmäßig antisemitische Artikel. Viele dieser Angriffe haben die Leugnung des Holocaust und seine »Ausbeutung« durch den Zionismus zum Thema und ziehen Parallelen zwischen Israel und dem Zionismus und dem Nazismus.

Auch die Medien der palästinensischen Autonomiebehörde veröffentlichen zum Teil hetzerisches und antisemitisches Material. Eine Freitagspredigt in der Zayed bin Sultan Aal Nahyan-Moschee in Gaza, die zum Mord an Juden und Amerikanern aufrief, wurde live im offiziellen palästinensischen Fernsehen übertragen:

»Habt kein Erbarmen mit den Juden, ganz gleich, wo sie sind, in welchem Land sie auch leben. Bekämpft sie, wo immer Ihr auch seid. Tötet sie, wo immer Ihr zusammenkommt. Wo Ihr auch seid, bringt die Juden um und tötet die Amerikaner, die sind wie sie und alle, die auf ihrer Seite sind. Sie alle verfolgen dasselbe Ziel und sind gegen die Araber und die Muslime, denn sie haben Israel gegründet, hier, mitten im lebendigen Herzen der arabischen Welt, in Palästina ...«19

Sogar palästinensische Kreuzworträtsel müssen dazu herhalten, Israel das Existenzrecht abzusprechen und die Juden schlecht zu machen; so taucht zum Beispiel der Begriff »Verrat« als Auflösung für den entscheidenden jüdischen Charakterzug auf.20

Behauptung

»Die Juden in den islamischen Ländern wurden von den Arabern immer gut behandelt.«

Tatsache

Den jüdischen Gemeinschaften in den islamischen Ländern erging es zwar insgesamt besser als in den christlichen Ländern Europas, doch Verfolgung und Demütigungen waren ihnen auch unter den Arabern nicht fremd. Bernard Lewis, Professor für Geschichte an der Universität von Princeton, schrieb: »Das Goldene Zeitalter der Gleichberechtigung war ein Mythos und der Glaube daran eher die Folge als die Ursache der jüdischen Sympathie für den Islam.«21

Mohammed, der Gründer des Islam, reiste im Jahr 622 n. Chr. nach Medina, um dort Anhänger für seinen neuen Glauben zu gewinnen. Als die Juden von Medina sich weigerten zu konvertieren und Mohammed ablehnten, wurden zwei der größeren jüdischen Stämme von dort vertrieben; im Jahr 627 töteten Mohammeds Anhänger dann zwischen 600 und 900 jüdische Männer und teilten deren Frauen und Kinder unter sich auf.22

Die Einstellung der Muslime gegenüber den Juden spiegelt sich in verschiedenen Versen im Koran, dem heiligen Buch des Islam. »Sie [die Kinder Israels] wurden mit Schande und Elend geschlagen, und sie luden Allahs Zorn auf sich; dies, weil sie die Zeichen Allahs verwarfen und die Propheten zu Unrecht töten wollten; das war, weil sie widerspenstig waren und frevelten« (Sure 2,62). Nach dem Koran trachten die Juden nur nach Unheil auf Erden (5,65), waren schon immer ungehorsam (5,79) und sind Feinde Allahs, des Propheten und der Engel (2,98-99).

Die Juden wurden von ihren muslimischen Nachbarn verachtet. Eine friedliche Koexistenz der beiden Gruppen war nur möglich, wenn die Juden sich den Muslimen völlig unterordneten. Im 9. Jahrhundert entwarf Kalif

al-Mutawakkil von Bagdad ein gelbes Abzeichen für die Juden und schuf damit einen Präzedenzfall, der Jahrhunderte später in Nazideutschland wieder aufgegriffen wurde.23

Zu bestimmten Zeiten konnten die Juden in den islamischen Ländern einigermaßen in Frieden leben, und in diesen Zeiten kam es denn auch regelmäßig zu einer kulturellen und wirtschaftlichen Blüte in den jüdischen Gemeinden. Doch ihre Stellung blieb stets eine höchst ungesicherte, und Veränderungen des politischen oder gesellschaftlichen Klimas führten immer wieder zu Verfolgung, Gewalttätigkeiten und Mord.

Wenn eine islamische Gesellschaft den Eindruck gewann, dass es den Juden zu gut erginge, flackerte der Antisemitismus auf, häufig mit verheerenden Folgen. Am 30. Dezember 1066 wurde Joseph HaNagid, der jüdische Wesir von Granada, von einem arabischen Mob gekreuzigt; danach wurde das jüdische Viertel der Stadt geschleift und seine 5000 Bewohner niedergemetzelt. Der Aufruhr war von muslimischen Predigern angezettelt worden, aus Angst, der politische Einfluss der Juden könnte zu groß werden.

Im Jahr 1465 ermordete der arabische Mob Tausende von Juden in Fez, nachdem ein stellvertretender jüdischer Wesir sich einer muslimischen Frau »auf beleidigende Weise« genähert hatte. Nur fünf Personen überlebten das Massaker. Die Morde lösten eine Welle ähnlicher Massaker in ganz Marokko aus.24

Im 8. Jahrhundert kam es in Marokko zu Massenmorden an Juden, bei denen der muslimische Herrscher Idris I. ganze Gemeinden auslöschen ließ; im 12. Jahrhundert zwangen die Almohaden in Nordafrika mehrere Gemeinden gewaltsam zur Konversion – wer sich weigerte, wurde umgebracht; 1785 ließ Ali Burzi Pascha in Libyen Hunderte von Juden ermorden; 1805, 1815 und 1830 kam es zu Massakern unter den Juden in Algier; und zwischen 1864 und 1880 wurden in Marrakesch in Marokko über 300 Juden ermordet.25

In Ägypten und Syrien (1014, 1293-1294, 1301-1302), im Irak (854, 859, 1344) und im Jemen (1676) wurden immer wieder Dekrete zur Zerstörung von Synagogen erlassen. Im Jemen (1165 und 1678), in Marokko (1275, 1465 und 1790 bis 1792) und in Bagdad (1333 und 1344) wurden Juden gezwungen, zum Islam überzutreten oder zu sterben, obwohl dies nach dem Koran verboten war.26

Im 19. Jahrhundert erreichte die Lage der Juden in den arabischen Ländern einen Tiefpunkt. Im größten Teil Nordafrikas (einschließlich Algeriens, Tunesiens, Ägyptens, Libyens und Marokkos) wurden die Juden in Gettos verbannt. In Marokko, dem Land mit der größten jüdischen Gemeinde in der islamischen Diaspora, mussten die Juden barfuß gehen bzw. durften nur Strohschuhe tragen, wenn sie das Getto verließen. Schon die muslimischen Kinder beteiligten sich an der Unterdrückung der Juden; sie bewarfen sie mit Steinen oder quälten sie auf andere Weise. Die Ausschreitungen gegen Juden nahmen zu, und viele Juden wurden unter dem Vorwand des Abfalls hingerichtet. Im osmanischen Reich waren Ritualmordanklagen gegen Juden an der Tagesordnung.27

Der bekannte Orientalist G. E. von Grunebaum schrieb:

»Es wäre nicht schwer, die Namen einer beträchtlichen Anzahl jüdischer Untertanen oder Bürger islamischer Länder anzuführen, die einen hohen Rang bekleideten, politischen und wirtschaftlichen Einfluss besaßen und auf intellektuellem Gebiet zu hohem Ansehen gelangten; dasselbe gilt für Christen. Doch ebenso einfach wäre es, eine lange Liste von Verfolgungen, willkürlichen Konfiskationen, versuchten Zwangsbekehrungen oder Pogromen zusammenzustellen.«28

Noch größer wurde die Gefahr für die Juden, als es in der UNO zu einer entscheidenden Kraftprobe zu kommen drohte. Der syrische Delegierte Faris el-Khouri warnte: »Ehe das Palästinenserproblem nicht gelöst ist, werden wir die Juden in der arabischen Welt kaum schützen und keinesfalls für ihre Sicherheit garantieren können.«29

In den Vierzigerjahren des 20. Jahrhunderts kam es im Irak, in Libyen, Ägypten, Syrien und im Jemen zu antijüdischen Ausschreitungen, bei denen über 1000 Juden umkamen.30 Das war einer der Auslöser für den Massenexodus von Juden aus arabischen Ländern.

Behauptung

»Als ›Völker des Buches‹ stehen Juden und Christen unter dem Schutz des islamischen Gesetzes.«

Tatsache

Dieses Argument wurzelt in der traditionellen Vorstellung vom Schutz (»dhimma«), den die muslimischen Eroberer den Christen und Juden zusicherten, wenn sie sich unterwarfen. Dazu schreibt der französische Gelehrte Jacques Ellul: »Man muss doch fragen: ›Schutz vor wem?‹ Wenn der ›Fremde‹, der geschützt werden muss, in islamischen Ländern lebt, kann die Antwort nur lauten: vor den Muslimen selbst.«31

Wer den Muslimen in die Hände fiel, hatte gewöhnlich nur die Wahl zwischen Konversion oder Tod. Lediglich Juden und Christen, die sich an ihre heiligen Schriften hielten, durften als dhimmi (»beschützte Personen«) ihren Glauben ausüben. Dieser »Schutz« bewirkte allerdings kaum, dass Juden und Christen von den Muslimen auch gut behandelt wurden. Im Gegenteil, als Ungläubige mussten sie die Überlegenheit der wahren Gläubigen – der Muslime – anerkennen.

In den Anfangsjahren der muslimischen Herrschaft symbolisierte der »Tribut« (jizya), eine jährliche Steuerabgabe, die Unterordnung der dhimmi.32

Später wurde der untergeordnete Status von Juden und Christen noch durch eine Reihe von Verordnungen, das Verhalten der dhimmi betreffend, verstärkt. So war es den dhimmi zum Beispiel bei Todesstrafe verboten, den Koran, den Islam oder Mohammed zu verspotten oder zu kritisieren, unter Muslimen Proselyten zu machen oder eine muslimische Frau auch nur zu berühren (wohingegen ein muslimischer Mann durchaus eine nicht-muslimische Frau heiraten durfte).

Dhimmi waren von öffentlichen Ämtern und vom Kriegsdienst ausgeschlossen und durften keine Waffen tragen. Sie durften keine Pferde oder Kamele reiten, keine Synagogen oder Kirchen, die größer als Moscheen, und keine Häuser, die größer als die Häuser der Muslime waren, bauen und in der Öffentlichkeit keinen Wein trinken. Sie wurden gezwungen, Kleidung zu tragen, an der man ihre Religionszugehörigkeit auf den ersten Blick erkannte, und durften nicht laut beten oder trauern, denn das hätte die Ohren der Muslime beleidigen können. Die dhimmi mussten den Muslimen in der Öffentlichkeit stets ihre Ehrerbietung beweisen, was bedeutete, dass sie ihnen auf der Straße Platz machten. Sie durften vor Gericht nicht gegen einen Muslim aussagen, und ihr Eid hatte keine Gültigkeit. Um sich zu verteidigen, mussten die dhimmi um hohen Preis muslimische Zeugen kaufen. Damit besaßen sie, wenn ihnen durch einen Muslim Schaden zugefügt worden war, kaum Rechte.33

Im 20. Jahrhundert hatte sich der Status der dhimmi in den muslimischen Ländern noch kaum verbessert. H.E. W. Young, der britische Vizekonsul in Mosul, schrieb 1909:

»Die Einstellung der Muslime gegen die Christen und Juden entspricht der von Herren gegenüber ihren Sklaven, die sie mit einer gewissen überlegenen Toleranz behandeln, solange sie an ihrem Platz bleiben. Jede kleinste Regung, die vermuten ließe, dass sie den Anspruch auf Gleichheit erheben könnten, wird sogleich unterdrückt.«34

1            Vamberto Morais: A Short History of Anti-Semitism; NY: W.W. Norton und Co. 1976; S. 11; Bernard Lewis: Semites & Anti-Semites; NY: W.W. Norton & Co. 1986; S. 81.
2          Oxford English Dictionary; Webster’s Third International Dictionary.
3            Offizielles britisches Dokument, Bericht No 371/20822 E 7201/22/31 des Außenministeriums; Elie Kedourie: Islam in the Modern World; London: Mansell 1980, S. 69-72.
4            Howard Sachar: A History of Israel: From the Rise of Zionism to Our Time; NY: Alfred A. Knopf 1979, S. 196.
5            Jordanische Verfassung, Offizielle Gazette Nr. 1171, Artikel 3(3) des Gesetzes Nr. 6, 1954, 16. Februar 1954, S. 105.
6          Aus einem Brief an M. René Mheu, Generaldirektor der UNESCO; abgedruckt in: Al-Thawra, 3. Mai 1968.
7          Auszug aus den religiösen Ordnungen; syrisches Bildungsministerium 1963-1964; S. 138.
8            Grundlagen der Syntax und Aussprache; syrisches Bildungsministerium 1963.
9            Religionslehre; ägyptisches Bildungsministerium 1966.
10            Geschichte der modernen Welt; jordanisches Bildungsministerium 1966, S. 150.
11        David K. Shipler: Arab and Jew; NY: Times Book 1986, S. 167.170.203.
12        Meyrav Wurmser: The Schools of Ba’athism: A Study of Syrian Schoolbooks; Washington, D.C.: Middle East Media and Research Institute (MEMRI) 2000; S. xiii.
13            Wurmser, S. 51.
14        Middle East Media and Research Institute (MEMRI).
15        Jewish Telegraphic Agency, 4. März 1991.
16        Al-Mussawar, 4. August 1972.
17        Middle East and Research Institute (MEMRI).
18        Al-Ahram, 28. Oktober 2000.
19        14. Oktober 2000.
20            Palestinian Media Watch, http://www.pmw.org/, 15. März 2000.
21        Bernard Lewis: »The Pro-Islamic Jews«; Judaism, Herbst 1968, S. 401.
22        Bat Ye’or: The Dhimmi; NJ: Fairleigh Dickinson University Press 1985, S. 43-44.
23        Bat Ye’or, S. 185-86.191.194.
24            Norman Stillman: The Jews of Arab Lands; PA: The Jewish Publication Society of America 1979, S. 84, Maurice Roumani: The Case of the Jews from Arab Countries: A Neglected Issue; Tel Aviv: World Organization of Jews from Arab Countries 1977, S. 26-27; Bat Ye’or, S. 72; Bernard Lewis: The Jews of Islam; NJ: Princeton University Press 1984, S. 158.
25        Stillman, S. 59.284.
26        Roumani, S. 26-27.
27        G. E. von Grunebaum; »Eastern Jewry Under Islam«; Viator 1971, S. 369.
28        New York Times, 19. Februar 1947.
29        Roumani, S. 30-31; Norman Stillman: The Jews of Arab Lands in Modern Times; NY: Jewish Publication Society 1991, S. 119-122.
30        Bat Ye’or, S. 61.
31        Bat Ye’or, S. 30.
32        Louis Gardet: La Cite Musulmane: Vie sociale et politique; Paris: Etudes musulmanes 1954, S. 348.
33        Bat Ye’or, S. 56-57.
34        Middle Eastern Studies 1971, S. 232.

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