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Behauptungen und Tatsachen: Der Golfkrieg

Behauptung

"Der Golfkrieg wurde für Israel geführt."
"Israels Nebenrolle im Golfkrieg zeigt, dass das Land für die Vereinigten Staaten von keinerlei strategischem Wert ist."
"Israel hat vom Golfkrieg profitiert, ohne auch nur den geringsten Preis dafür zu bezahlen."
"Israel hat nichts getan, um die Palästinenser vor den Angriffen der Scud-Raketen zu schützen."

"Der Irak stellte zu keinem Zeitpunkt eine Bedrohung für Israel dar."
"Saddam Hussein hatte zu keinem Zeitpunkt Interesse am Besitz oder Erwerb von Atomwaffen."
"Die PLO verhielt sich im Golfkrieg neutral."
"Im Golfkrieg wurde deutlich, warum die arabischen Staaten mehr amerikanische Waffen brauchen."
"Nach dem Golfkrieg stellte der Irak keine Bedrohung mehr für Israel dar."

Behauptung
"Der Golfkrieg wurde für Israel geführt."

Tatsache
Bevor Präsident Bush die Operation "Wüstensturm" ankündigte, behaupteten manche Kritiker Israels, der jüdische Staat und seine Fürsprecher setzten alles daran, Washington in einen Krieg mit dem Irak zu treiben, um die militärische Bedrohung, die der Irak für Israel darstelle, zu eliminieren. Dagegen machte Präsident Bush in seiner Rede am 2. August 1990 die Position der USA ganz deutlich. Er wies darauf hin, dass die Vereinigten Staaten "ein seit langer Zeit bestehendes, lebenswichtiges Interesse" am Persischen Golf hätten. Darüber hinaus hatte der Irak mit seiner Handlung "nackter Aggression" gegen die Charta der Vereinten Nationen verstoßen. Und nicht zuletzt gab der Präsident seiner Sorge um die anderen kleineren Nationen im Krisengebiet und um die dort lebenden und arbeitenden amerikanischen Bürger Ausdruck. "Ich sehe es als grundlegende Verantwortung meiner Präsidentschaft an, amerikanische Bürger zu schützen."1


Während des gesamten Golfkrieges unterstrichen der Präsident und andere hochrangige amerikanische Politiker immer wieder, dass die Interessen der USA - die in erster Linie die Erdölversorgung betrafen - durch die irakische Invasion Kuwaits gefährdet waren.
Die meisten Amerikaner billigten das Vorgehen ihres Präsidenten. In einer Meinungsumfrage vom 16. Januar 1991 wurde festgestellt, dass 76 Prozent der Amerikaner für den Krieg mit dem Irak und nur 22 Prozent dagegen waren.2

Es stimmt, dass Israel im Irak eine ernste Gefahr für seine eigene Sicherheit sah. Diese Sorge erwies sich nach Beginn des Krieges rasch als überaus berechtigt, als der Irak 39 Scud-Raketen auf israelische Ballungsgebiete abfeuerte.

Israel hat die amerikanischen Truppen nicht gebeten, seine Schlachten zu schlagen. Die israelischen Streitkräfte hielten sich bereit, ebenfalls in den Golfkrieg einzutreten, doch es kam nicht dazu, weil die USA nicht darum nachsuchten. Selbst nach der massiven Provokation durch die Scud-Raketen entsprach Israel der amerikanischen Bitte, sich nicht zu Vergeltungsschlägen verleiten zu lassen.

Behauptung
"Israels Nebenrolle im Golfkrieg zeigt, dass das Land für die Vereinigten Staaten von keinerlei strategischem Wert ist."

Tatsache
Von Israel wurde gar nicht erwartet, dass es in größerem Umfang in den Golfkrieg eingriff. Die Amerikaner wussten sehr wohl, dass die Araber den Israelis nie gestattet hätten, zu ihrer Verteidigung zu intervenieren, und sie wussten auch, dass ein Eingreifen amerikanischer Truppen unumgänglich war, weil die Golfstaaten sich nicht aus eigener Kraft schützen konnten.

Israels Zurückhaltung beruhte also auf einer wohl überlegten politischen Entscheidung in Antwort auf entsprechende amerikanische Bitten. Dennoch hat das Land das amerikanische Vorgehen in vielfältiger Weise unterstützt und indirekt dazu beigetragen, die irakischen Aggressoren zurückzutreiben. Das belegen die folgenden Punkte:

o Die israelischen Verteidigungsstreitkräfte waren die einzige Militärmacht im Krisengebiet, die dem Irak mit einiger Aussicht auf Erfolg die Stirn bieten konnte. Diese Tatsache, derer sich Saddam Hussein wohl bewusst war, wirkte als Abschreckung gegen die irakische Aggression.
o Durch seine Warnung, militärische Maßnahmen zu ergreifen, falls der Irak in Jordanien einmarschieren sollte, schützte Israels letztlich die territoriale Unversehrtheit seines Nachbarn gegen eine irakische Invasion.
o Die Vereinigten Staaten setzten in Israel hergestellte Raketen auf ihren B52-Bombern ein, und die amerikanische Marine verwendete israelische ferngesteuerte Flugzeuge des Typs Pionier für ihre Aufklärungsflüge in der Golfregion.
o Israel stellte Minenräumfahrzeuge zur Verfügung, mit denen sich die alliierten Streitkräfte einen Weg durch die irakischen Minenfelder bahnten.
o Das US-Marinecorps bediente sich mobiler Brücken, die direkt aus Israel nach Saudi-Arabien eingeflogen wurden.
o Israelische Empfehlungen führten zu mehreren Software-Änderungen, die die Patriot zu einem leistungsfähigeren Raketenabwehrsystem machten.
o Die israelische Luftfahrtindustrie entwickelte Treibstofftanks, die die Reichweite der im Golfkrieg eingesetzten F-15-Flugzeuge vergrößerten.
o General Dynamics, ein amerikanischer Rüstungskonzern, baute mehrere von den Israelis übernommene Modifikationen in die Maschinen der weltweit eingesetzten F-16-Flugzeug-Luftwaffenflotte ein; dazu gehörten strukturelle Verbesserungen, Softwareänderungen, Verbesserungen der Funkausrüstung und Änderungen in der Flugelektronik.
o Durch eine in Israel hergestellte Zielelektronik wurden die Einsatzmöglichkeiten der Cobra-Hubschrauber in Nachtkämpfen verbessert.
o Israel stellte sein technisches Know-How für die erfolgreich eingesetzte Tomahawk-Rakete zur Verfügung.
o Israel lieferte den amerikanischen Streitkräften Nachtsichtgeräte.
o An Bord von Blackhawk-Hubschraubern wurde ein in Israel entwickeltes und hergestelltes Warnsystem für geringe Flughöhen verwendet.
o Israel stellte den amerikanischen Streitkräften Ausrüstungsgegenstände zur Verfügung, darunter Gasmasken und Sandsäcke.
o Israel bot den Vereinigten Staaten an, seine militärischen und Versorgungseinrichtungen zu nutzen. Die Schiffe der amerikanischen Marine wurden auf dem Weg zum Golf im Hafen von Haifa gewartet.
o Israel zerstörte im Jahr 1981 den irakischen Atomreaktor. Dadurch hatten die amerikanischen Streitkräfte es nicht mehr mit einem Gegner zu tun, der Nuklearwaffen einsetzen konnte.
o Selbst in dieser mittelbaren Form war die israelische Kooperation für die USA äußerst wertvoll: Israels militärischer Geheimdienst hatte den Irak schon immer sehr viel gründlicher überwacht als die Amerikaner. Dadurch konnten die Israelis Washington mit detaillierten taktischen Informationen über die militärischen Aktivitäten des Irak versorgen. Der amerikanische Verteidigungsminister Richard Cheney wies denn auch darauf hin, dass die Vereinigten Staaten bei ihrer Suche nach Raketenabschussbasen für Scud-Raketen auf israelische Informationen über den Westirak zurückgegriffen hätten.3

Behauptung
"Israel hat vom Golfkrieg profitiert, ohne auch nur den geringsten Preis dafür zu bezahlen."

Tatsache
Es stimmt, dass Israel von der Zerstörung der irakischen Militärmacht durch die von den Vereinigten Staaten angeführte Allianz profitierte, aber auch auf israelischer Seite waren die Kosten enorm. Noch vor Ausbruch der Kriegshandlungen musste Israel seinen Verteidigungsetat aufstocken, um seine Streitkräfte in erhöhter Alarmbereitschaft halten zu können. Die irakischen Raketenangriffe rechtfertigten sehr schnell die israelische Vorsichtsmaßnahme, die Luftwaffe rund um die Uhr im Einsatz zu halten. Insgesamt musste das Verteidigungsbudget um mehr als 500 Millionen Dollar erhöht werden. Weitere hundert Millionen wurden zum Schutz der Zivilbevölkerung benötigt.

Die 39 irakischen Scud-Raketen richteten in Haifa und Tel Aviv großen Schaden an. Im Gebiet von Tel Aviv wurden etwa 3300 Wohnhäuser und andere Gebäude beschädigt. 1150 Personen mussten evakuiert und in Hotels untergebracht werden - eine Maßnahme, die pro Nacht 20000 Dollar kostete.

Neben den unmittelbaren Kosten durch die ständige militärische Einsatzbereitschaft und die Sachschäden erlitt die israelische Wirtschaft Einbußen, weil viele Israelis wegen des Ausnahmezustands nicht zur Arbeit gehen konnten. Die Betriebe arbeiteten während des Krieges nur mit 75 Prozent ihrer normalen Kapazität, was einen Gesamtverlust von 3,2 Milliarden Dollar bedeutete.4

Die am schwersten hinzunehmenden Kosten betrafen jedoch Verluste an Menschenleben. Bei den Angriffen der Scud-Raketen starben insgesamt 74 Personen; zwei kamen bei den Angriffen selbst ums Leben, vier erstickten in den Gasmasken, die übrigen starben an Herzanfällen.5

Eine Kommission der Vereinten Nationen, die sich mit den aus dem Golfkrieg von 1991 resultierenden Wiedergutmachungsansprüchen an den Irak befasste, sprach israelischen Firmen und Einzelpersonen über 31 Millionen Dollar Wiedergutmachungszahlungen zu. Diese Entscheidung von 1999 ging auf eine Resolution des Sicherheitsrates im Jahr 1992 zurück, die den Irak verpflichtete, die Opfer des Golfkriegs zu entschädigen.6 Im Jahr 2001 sprach die Wiedergutmachungskommission der Vereinten Nationen Israel 74 Millionen Dollar als Ausgleich für die Kosten zu, die durch die Einschläge irakische Scud-Raketen im Golfkrieg entstanden waren. Damit wies die Kommission den größten Teil der israelischen Gesamtforderung in Höhe von einer Milliarde Dollar ab.7

Behauptung
"Israel hat nichts getan, um die Palästinenser vor den Angriffen der Scud-Raketen zu schützen."

Tatsache
Die Los Angeles Times machte deutlich, vor welche Probleme die Ausgabe von Gasmasken an die Bevölkerung die israelischen Verantwortlichen stellte:
"Die Ausgabe der Gasmasken erfolgte auf Grund von Wahrscheinlichkeitsschätzungen - die zum Teil auf Saddam Husseins schon vor dem Krieg ausgesprochenen Drohungen beruhten -, in welchen Gebieten die Gefahr für die Bevölkerung voraussichtlich am größten sein würde. Die Küstenregion um das Ballungszentrum Tel Aviv-Haifa mit seiner vorwiegend jüdischen Bevölkerung und Jerusalem, die zweitgrößte Stadt des Landes, genossen dabei absoluten Vorrang. Nach ihnen kamen kleinere Städte und ländliche Gebiete im israelischen Kernland, und erst zum Schluss die besetzten Gebiete. Die Erfahrung hat gezeigt, dass diese Reihenfolge richtig war. Natürlich war die Gefahr, die von den irakischen Waffen ausging, am stärksten für israelische Bürger und nicht für die Palästinenser in der Westbank, die ja schließlich Partisanen Saddams sind."8

Die überwiegende Mehrheit der Palästinenser machte im Übrigen kein Hehl aus ihrer Unterstützung für den Irak. Als die Scud-Raketen auf Israels Ballungszentren hinabregneten, kletterten viele von ihnen auf die Dächer und jubelten.9 Auf Grund dieser unverhohlen zur Schau getragenen pro-irakischen Haltung und weil der irakische Diktator selbst seine Sorge um die Palästinenser geäußert hatte, glaubte man in Israel im Allgemeinen nicht, dass die besetzten Gebiete angegriffen würden.

Später wurden dann auch an alle Einwohner dieser Gebiete Gasmasken verteilt. Der Krieg war allerdings zu Ende, bevor alle Palästinenser Gasmasken erhalten hatten. Trotzdem kam bei den Scud-Angriffen kein einziger Palästinenser ums Leben.

Behauptung
"Der Irak stellte zu keinem Zeitpunkt eine Bedrohung für Israel dar."

Tatsache
Der irakische Präsident Saddam Hussein war seit seiner Machtübernahme einer der erbittersten Feinde Israels. Am 2. April 1990 wurde Saddams Rhetorik zunehmend aggressiver: "Ich schwöre bei Gott, dass unser Feuer die Hälfte Israels verzehren wird, falls Israel versuchen sollte, den Irak anzugreifen." Saddam behauptete, die Kampfstärke seiner chemischen Waffen werde nur noch von den USA und der Sowjetunion übertroffen, und kündigte an, dass er jeden, der den Irak mit einer Atombombe bedrohe, mit der "binären chemischen Waffe" auslöschen werde.10

Wenige Tage später ließ Saddam verlauten, dass der Krieg mit Israel so lange zu nicht Ende sei, bis alle von Israel besetzten Gebiete sich wieder in arabischen Händen befänden. Er fügte hinzu, dass der Irak von mehreren Stellungen aus chemische Waffen gegen Israel einsetzen könne.11 Darüber hinaus machte der irakische Führer die alarmierende Aussage, dass seine Offiziere, falls Israel den Irak angriffe, die Freiheit hätten, Israel ohne Rücksprache mit ihrem Oberkommando anzugreifen. Der Oberkommandierende der irakischen Luftwaffe sagte später, er habe den Befehl zum Angriff gehabt, falls der jüdische Staat den Irak oder ein anderes arabisches Land angriffe.12
Am 18. Juni 1990 kündigte Saddam auf einer islamischen Konferenz in Bagdad an: "Wenn Israel den Irak oder die Araber angreift, werden wir mit allen Waffen, die uns zur Verfügung stehen, gegen die Israelis vorgehen." Er erklärte, Palästina sei den Arabern "gestohlen" worden, und rief die arabische Welt auf, "die usurpierten Rechte in Palästina zurückzuerobern und Jerusalem aus der zionistischen Knechtschaft zu befreien".13

Saddams Drohung erfolgte unmittelbar nachdem herausgekommen war, dass England und die Vereinigten Staaten einen Versuch vereitelt hatten, in Amerika hergestellte Zünder für Nuklearsprengköpfe des Typs "Kryton" in den Irak zu schmuggeln.14 Der englische Geheimdienst MI6 hatte drei Jahre zuvor in einem geheimen Papier darauf hingewiesen, dass Hussein seiner Einschätzung nach alles daran setze, Nuklearwaffen zu entwickeln.15 Nachdem Saddam 1988 in Halabja chemische Waffen gegen seine eigenen kurdische Landsleute eingesetzt hatte, zweifelte kaum jemand daran, dass er Nuklearwaffen gegen Israel richten würde, wenn er die Möglichkeit dazu hätte.

Die israelischen Befürchtungen wurden noch gesteigert durch Berichte, die ab Januar 1990 in der arabischen Presse zu kursieren begannen und in denen davon die Rede war, dass Jordanien und der Irak gemeinsame Truppenverbände, bestehend aus Boden-, Luft und Marineeinheiten, gebildet hätten. "Diese Regimenter bilden eine Notfalltruppe, die im Fall einer Kampfansage oder Bedrohung eines der beiden Länder durch eine fremde Macht in Aktion tritt", hieß es in einer Zeitung.16 Darüber hinaus sollen die beiden Staaten ein gemeinsames Kampfjägergeschwader gebildet haben17 - nach Aussage des jordanischen Journalisten Mu'nis al-Razzaz ein erster Schritt auf dem Weg zu einer vereinigten arabischen Armee. "Wenn wir uns nicht beeilen und eine geeinte arabische Militärmacht etablieren, werden wir den von den Vereinigten Staaten unterstützten zionistischen Bestrebungen nichts entgegensetzen können", sagte er.18 Angesichts der Geschichte der arabischen Allianzen, die stets das Vorspiel eines Angriffs gewesen waren, erachtete Israel diese Entwicklungen als höchst Besorgnis erregend.

Im April 1990 beobachteten britische Zollbeamte, wie riesige Stahlrohre auf ein vom Irak gechartertes Schiff verladen wurden. Diese Röhren hielt man für Teile einer gigantischen Superkanone, mit der Bagdad mit nuklearen oder chemischen Sprengköpfen bestückte Raketen auf Israel oder den Iran hätte abschießen können.19 Der Irak bestritt zwar, dass er im Begriff war, eine solche "Superwaffe" zu bauen, doch nach dem Krieg zeigte sich, dass eine solche Waffe tatsächlich gebaut worden war.20
Der Irak war aus dem Krieg gegen den Iran als eine der stärksten, bestausgerüsteten Militärmächte der Welt hervorgegangen. Seine Armee war eine Million Mann stark, er besaß über 700 Kampfjets, 6000 Panzer, ballistische Raketen und chemische Waffen. Die Vereinigten Staaten und ihre Alliierten errangen zwar einen raschen Sieg, doch der tatsächliche Umfang von Husseins Arsenal wurde erst nach dem Krieg offenbar, als Untersuchungskommissionen der Vereinten Nationen auf Belege für ein umfangreiches Programm zum Bau chemischer und Nuklearwaffen stießen.21

Zugleich fungierte der Irak als Stützpunkt für mehrere terroristische Gruppen, die Israel bedrohten, darunter die PLO und Abu Nidals Fatah-Revolutionsrat.
Nach der irakischen Invasion Kuwaits wiederholte Saddam Hussein in regelmäßigen Abständen seine Drohung, Israel anzugreifen, wenn sein Land angegriffen würde. Wenn die Vereinigten Staaten gegen den Irak vorgehen, so sagte er im Dezember 1990, "wird unser nächster Schlag Tel Aviv gelten, ganz gleich, ob Israel an diesem Krieg beteiligt ist oder nicht".22 Auf einer Pressekonferenz im Anschluss an das Treffen mit dem amerikanischen Außenminister James Baker am 9. Januar 1991 wurde der irakische Außenminister Tariq Aziz gefragt, ob der Irak, falls es zum Krieg käme, Israel angreifen würde. Die Antwort lautete: "Ja. Eindeutig ja."23
Am Ende machte Saddam seine Drohung wahr.

Behauptung
"Saddam Hussein hatte zu keinem Zeitpunkt Interesse am Besitz oder Erwerb von Atomwaffen."

Tatsache
Im Jahr 1981 gewann Israel die Überzeugung, dass der Irak dicht davor stand, Nuklearwaffen herzustellen. Um dem Bau einer Waffe zuvorzukommen, die ohne Zweifel gegen ihr Land eingesetzt werden würde, unternahmen die Israelis einen Überraschungsangriff, bei dem der Osirak-Nuklearkomplex zerstört wurde. Israels Verhalten wurde damals heftig kritisiert, und am 19. Juni wurde der Angriff vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen einmütig verurteilt. Kritiker bagatellisierten die Bedeutung des irakischen Nuklearprogramms; ihrer Ansicht nach waren Israels Befürchtungen unbegründet, weil Bagdad den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet hatte und sich mit der Inspektion seiner nuklearen Einrichtungen einverstanden erklärt hatte.


Erst nach der Invasion des Irak in Kuwait gaben amerikanische Politiker öffentlich zu, dass Bagdad an der Entwicklung von Nuklearwaffen arbeitete und dass es diesem Ziel sehr viel näher war, als man geglaubt habe. Wieder wandten Kritiker ein, die amerikanische Regierung suche lediglich nach einer Rechtfertigung für einen Krieg.
Monate später, nachdem die alliierten Streitkräfte die Zerstörung der Nuklearanlagen des Irak bekannt gegeben hatten, stellten Inspekteure der Vereinten Nationen fest, dass Saddams Waffenentwicklungsprogramm weit umfangreicher war, als selbst die Israelis geglaubt hatten. Man war allgemein davon ausgegangen, dass der Irak nicht in der Lage sei, Uran für den Bau von Atombomben anzureichern, doch Saddams Wissenschaftler bedienten sich zu diesem Zweck verschiedener Methoden (einschließlich einer angeblich veralteten), die, wie man seither annahm, es dem Irak ermöglichten, mindestens eine Bombe zu bauen.

Behauptung
"Die PLO verhielt sich im Golfkrieg neutral."

Tatsache
Die PLO, Libyen und der Irak waren die Einzigen, die die Resolution der Arabischen Liga, die den Rückzug des Irak aus Kuwait forderte, ablehnten. Die Führung der Intifada schickte Saddam Hussein ein Glückwunschtelegramm, in dem die Invasion Kuwaits als erster Schritt
zur "Befreiung Palästinas" bezeichnet wurde.24

Der PLO-Führer Jassir Arafat spielte eine entscheidende Rolle bei der Torpedierung eines arabischen Gipfeltreffens, das in Saudi-Arabien stattfinden sollte und dessen Teilnehmer sich mit der Invasion befassen wollten. Arafat, so berichtete die New York Times, "lenkte die Aufmerksamkeit von dem geplanten Treffen ab und half mit, es scheitern zu lassen", indem er plötzlich mit einem "Friedensplan" in Ägypten auftauchte, den sich der libysche Diktator Muammar Qaddafi ausgedacht hatte.25
Nach einem Augenzeugenbericht von Ibrahim Nafei, dem Herausgeber der Zeitung Al-Ahram, legte Arafat sich auf dem im August stattfindenden Treffen der Arabischen Liga schwer ins Zeug, um einen wie auch immer gearteten anti-irakischen Beschluss zu verhindern. Er "ging von Delegation zu Delegation, Arm in Arm mit dem irakischen Außenminister Tariq Aziz, der einigen Delegierten der Golfstaaten und anderer arabischer Länder offen drohte, dass der Irak in ihren Ländern keinen Stein auf dem anderen lassen würde", schrieb Nafei.26

In der jordanischen Hauptstadt Amman kündigte ein PLO-Sprecher an, dass palästinensische Kämpfer im Jemen eingetroffen seien. "Sie sollen Selbstmordanschläge gegen die amerikanischen Truppen in Saudi-Arabien durchführen, falls die Amerikaner den Irak angreifen", erklärte er. "In Kuwait und im Irak stehen über 50000 palästinensische Kämpfer, die die irakischen Interessen verteidigen werden."27 Abdul Abbas, ein Angehöriger des Exekutivkomitees der PLO, drohte, dass "jedes amerikanische Ziel verwundbar würde", sollten die Vereinigten Staaten den Irak angreifen.28

In Jenin marschierten am 12. August 1000 Palästinenser auf und skandierten: "Unser Held Saddam, greif Israel mit chemischen Waffen an."29
Gewissen Quellen zufolge spielte die PLO eine aktive Rolle bei der Eroberung Kuwaits durch den Irak. Die logistische Planung für die irakische Invasion gründete sich zumindest teilweise auf Informationen, die PLO-Spitzel und ihre Helfershelfer vor Ort zusammengetragen hatten. Im Londoner Independent wurde ein arabischer Diplomat zitiert, der sagte, dass irakische Offiziere sich nach der Ankunft in Kuwait "schnurstracks in die Häuser der Kollaborateure begaben, sie packten und ihnen befahlen, an die Arbeit zu gehen". "Der irakischen Botschaft lag eine Liste von kuwaitischen Entscheidungsträgern vor", sagte der Diplomat, "aber wer hat ihnen geholfen? Wer waren die Fachleute, die Seite an Seite mit den Kuwaitis arbeiteten und alle nötigen Informationen besaßen?", fragte er. "Die Palästinenser."30

Die führenden Persönlichkeiten der israelischen Friedensbewegung gaben ihrem Abscheu vor dem Verhalten der PLO Ausdruck. Man bräuchte eine Gasmaske, um den "Ekel erregenden, giftigen Gestank" der Haltung der PLO gegenüber Saddam Hussein zu ertragen, sagte Yossi Sarid.31 Ein anderer Aktivist für den Frieden, Yaron London, schrieb in einem offenen Brief an die Palästinenser in den besetzten Gebieten:

"In dieser Woche habt ihr mir gezeigt, welch ein Narr ich jahrelang war. Wenn ihr mich das nächste Mal um meine Unterstützung eurer ›legitimen Rechte‹ bittet, werdet ihr feststellen, dass eure Anfeuerungsrufe für Saddam meine Ohren verstopft haben."32

Als die Vereinigten Staaten anfingen, Truppen in Saudi-Arabien zusammenzuziehen, sprach Arafat von einem "neuen Kreuzzug", der "größte Gefahr und schweres Unglück für unsere arabische und islamische Nation bedeutet". Und er hielt nicht mit seiner Position in diesem Konflikt hinter dem Berg:
"Wir können dem Zionismus und seinen imperialistischen Verbündeten, die heute ihre Panzer und Flugzeuge, ja ihre ganze hoch technisierte, moderne Kriegsmaschinerie gegen unsere arabische Nation mobil machen, nur mit Feindseligkeit begegnen."33

Nach Ausbruch des Krieges bekräftige das Exekutivkomitee der PLO seine pro-irakische Haltung: "Das palästinensische Volk steht fest an der Seite des Irak." Am folgenden Tag schickte Arafat Saddam eine Botschaft, in der er den irakischen Kampf gegen die "amerikanische Diktatur" verherrlichte und den Irak als "Verteidiger der arabischen Nation, der Muslime und freien Männer auf der ganzen Welt" bezeichnete.34

Arafats Begeisterung für Hussein erlosch auch nach dem Ausgang des Krieges nicht. "Ich möchte diese Gelegenheit ergreifen, erneut zum Ausdruck zu bringen, dass wir stolz sind auf die Bande der Bruderschaft und des gemeinsamen Schicksals, das uns verbindet", sagte er im November 1991. "Wir wollen zusammen arbeiten bis zum Sieg und zur Befreiung Jerusalems."35

Behauptung
"Im Golfkrieg wurde deutlich, warum die arabischen Staaten mehr amerikanische Waffen brauchen."

Tatsache
Vor der Invasion Kuwaits besaß der Irak eine der größten und bestausgerüsteten Armeen der Welt. Keiner der Golfstaaten hätte den Irakis ohne amerikanische Intervention den Krieg erklären können. Kuwait ist ein winziges Land, das Waffen im Wert von fünf Milliarden Dollar erhalten und doch zu keinem Zeitpunkt auch nur die geringste Chance hatte, den Irak aufzuhalten.

Auch an Saudi-Arabien hatten die Vereinigten Staaten in den letzten zehn Jahren Waffen und Ausrüstung im Wert von über 40 Milliarden Dollar geliefert, und trotzdem hätte auch dieses Land eine irakische Invasion nicht verhindern können - eine Erkenntnis, die König Fahd letztlich bewog, der Stationierung amerikanischer Truppen in seinem Land zuzustimmen. Keine noch so umfangreiche Militärhilfe kann die geringe zahlenmäßige Stärke der Heere in diesen Staaten wettmachen.

Die Schnelligkeit, mit der der Irak Kuwait überrannte, machte darüber hinaus deutlich, wie leicht amerikanische Waffen in feindliche Hände geraten können. So erbeutete der Irak in Kuwait zum Beispiel 150 amerikanische HAWK-Flugabwehrraketen und mehrere mit Geschützen bestückte Fahrzeuge.

Behauptung
"Nach dem Golfkrieg stellte der Irak keine Bedrohung mehr für Israel dar."

Tatsache
Der Irak grenzt nicht an Israel, doch er ist seit 1948 einer der unerbittlichsten Feinde Israels. Im Golfkrieg machte er Israel denn auch zum Hauptziel für seine Raketenangriffe. Ein Großteil des irakischen Arsenals an unkonventionellen Waffen wurde zwar im Krieg zerstört, doch langfristig gesehen bleibt der Irak eine Bedrohung für die Sicherheit Israels. Neuere Enthüllungen, die zeigten, dass dem Irak schon 1990 biologische Sprengköpfe mit Milzbrand- und Botulismuserregern zur Verfügung standen und dass er schon damals kurz vor dem Abschluss seines Nuklearwaffenprogramms stand, belegen, wie knapp Israel und die Alliierten einer Katastrophe entkamen. Ein Großteil von Bagdads biologischem Waffenarsenal ist bis heute nicht offen gelegt worden.

Saddam ist nach wie vor eindeutig bestrebt, den Irak wieder aufzurüsten. Ein Großteil des Bestands an chemischen Waffen und Nuklearanlagen sowie Hunderte mobiler ballistischer Raketen haben den Konflikt unbeschadet überstanden, und der Irak vereitelte bisher alle Initiativen der Vereinten Nationen, sie zu zerstören. Obwohl der Irak gezwungen wurde, viele der ihm verbliebenen Scud-Raketen zu zerstören, geht man dennoch davon aus, dass ihm noch eine große Zahl geblieben ist, die verborgen gehalten werden. Hinzu kommt, dass Bagdad, wenn die Sanktionen erst einmal aufgehoben sind, innerhalb von drei bis fünf Jahren wieder nuklear aufrüsten und in nicht einmal zwei Jahren sein Arsenal an tödlichen chemischen Waffen auffüllen kann.

Die Waffeninspekteure der Vereinten Nationen wurden 1998 aus dem Land gewiesen, und schon zwei Jahre später führte der Irak Tests mit ballistischen Kurzstreckenraketen durch - und zwar zur Perfektionierung eines neuen Systems, das beim Bau von Langstreckenraketen eingesetzt werden kann.36
Die Rüstungsanlagen und Raketenforschungszentren, in denen die Rakete unter der Bezeichnung al-Samoud entwickelt wird, wurden im Dezember 1998 im Rahmen der Operation "Wüstenfuchs" von der Luftwaffe der Alliierten bombardiert. Im Pentagon glaubte man zu diesem Zeitpunkt, dass Saddam Husseins Raketenpläne damit für mindestens zwei Jahre auf Eis gelegt seien. Doch der nächste Raketenabschuss erfolgte bereits sechs Monate später.
Im Januar 2001 äußerte ein irakischer Überläufer gegenüber dem Londoner Sunday Telegraph, dass der Irak zwei voll funktionsfähige Atombomben erworben habe und am Bau weiterer Nuklearwaffen arbeite. Diese Behauptungen, die neueren Berichten widerspricht, nach denen sich die Nuklearwaffenpläne des Irak noch im Vorbereitungsstadium befinden, werden mittlerweile von Spezialisten überprüft.37

Und nicht zuletzt bleibt die Tatsache bestehen, dass der Irak trotz seiner Annahme der UN-Resolution 687, die ihm untersagt, terroristische Organisationen von seinem Gebiet aus operieren zu lassen, weiterhin Kontakt zu verschiedenen Gruppen und Einzelpersonen unterhält, die mit dem internationalen Terrorismus in Zusammenhang gebracht werden, und ihnen in seinem Land Zuflucht gewährt.


1 Washington Post, 3. August 1990.
2 Washington Post, 17. Januar 1991.
3 UPI, 8. März 1991.
4 Near East Report, 4. Februar 1991.
5 Jerusalem Post, 17. Januar 1991.
6 JTA, 14. 4. 1999.
7 JTA, 21. 6. 1999.
8 Los Angeles Times, 28. Januar 1991.
9 New York Post, 4. Februar 1991.
10 Reuters, 2. April 1990.
11 Reuters, 18. April 1990.
12 UPI, 22. April 1990.
13 Baghdad Domestic Service, 18. Juni 1990.
14 Washington Post, 29. März 1990.
15 Washington Times, 3. April 1990.
16 Al-Ittihad, 26. Januar 1990.
17 Radio Monte Carlo, 17. Februar 1990.
18 Al-Dustur, 18. Februar 1990.
19 Reuters, 17. April 1990.
20 Washington Post, 14. August 1991.
21 Washington Post, 8. August 1991.
22 Reuters, 26. Dezember 1990.
23 Mitschrift der Pressekonferenz vom 9. Januar 1991.
24 Mideast Mirror, 6. August 1990.
25 New York Times, 5. August 1990.
26 Al-Ahram, 12. August 1990.
27 UPI, 10. August 1990.
28 Reuters, 4. September 1990.
29 Associated Press, 12. August 1990.
30 Jerusalem Post, 8. August 1990.
31 Ha'aretz, 17. August 1990.
32 Yediot Aharonot, August 1990.
33 Sawt al-Sha'b, 4. September 1990.
34 Agence France-Presse, 26. Februar 1991.
35 Baghdad Republic of Iraq Radio Network, 16. November 1991.
36 New York Times, 1. Juli 2000.
37 Jerusalem Post, 29. Januar 2001.

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